Im Gespräch mit Rüdiger Witz
Rüdiger Witz ist mit seinen knapp 85 Jahren das älteste aktive Mitglied im Musikverein Bobenheim am Berg. Bereits als junger Erwachsener begann er mit dem Musizieren auf dem Tenorhorn und spielt bis heute in zwei Orchestern: ConcertBoB und bobenheimer.
Herr Witz hat viel Beeindruckendes, Lustiges, aber auch Trauriges zu erzählen: Er wurde am 30.04.1941 in Ludwigshafen-Oggersheim geboren. Seine Eltern August und Margarethe Witz führten damals das “Münchener Wandertheater”. Mit diesem Wandertheater zogen sie durch Rheinhessen und die Pfalz und spielten auch in Kriegszeiten in kleineren Theatersälen. Die Familie seines Großonkels betrieb ebenfalls ein Wandertheater im Odenwald. Die Tradition des Theaterspielens wurde in der Familie bereits Generationen zuvor begründet und führt zurück bis zur Marionettentheaterfamilie Schichtl in München.
In der für alle schwierigen Nachkriegszeit wurde es für die Familie zunehmend beschwerlich sich den Lebensunterhalt mit dem Theaterspiel zu bestreiten. Daher entschied sich August Witz 1950 dafür, eine sichere Stelle in der BASF anzutreten. Zudem bekam die Familie Zuwachs: Die Tochter Heidrun wurde geboren. Rüdiger Witz ging da bereits zur Schule, ab der 5. Klasse besuchte er das Gymnasium in Worms und später in Neustadt.
Nach der 8. Klasse entschied sich Rüdiger Witz dazu, die Schule zu beenden und eine Ausbildung als Radio- und Fernsehtechniker in Bad Dürkheim zu beginnen.
1955 übernahm das Ehepaar Witz eine Gaststätte in Wachenheim und betrieb diese bis 1959. Schließlich wurden in Bobenheim am Berg neue Betreiber für eine Gaststätte und eine angeschlossene Metzgereifiliale gesucht, woraufhin die Familie Witz sich dafür entschied, nach Bobenheim zu ziehen. Vermutlich ahnte damals noch niemand, dass der Zuzug der Familie Witz nicht nur in kulinarischer sondern auch in musikalischer Hinsicht eine Bereicherung für Bobenheim und die Region werden sollte: Die Idee, einen Musikverein in Bobenheim zu gründen, entstand 1959, als eine von einer Musikkapelle begleitete Fronleichnamsprozession wenig Begeisterung bei August Witz auslöste („Das geht besser“). Der musikalisch ausgebildete und versierte Vater beschloss, Musiker im Ort zu mobilisieren: Die ersten Laienmusiker waren Akkordeon-, Trompeten- und Klavierspieler und mussten umgeschult werden zu Waldhorn-, Bariton- und Tuba-Bläsern.
Nachdem in den nächsten Monaten erste Stücke einstudiert wurden (das erste war ”Waldeslust”), und nachdem die erste Tradition begründet wurde (gemeinsames Musizieren an Heilig Abend), war es 1961 endlich soweit, und das Blasorchester Bobenheim wurde gegründet. In diesem Jahr begleitete das Orchester auch erstmals die Fronleichnamsprozession.
Der Vater war seit jeher sehr musikalisch, er beherrschte selbst viele Instrumente. Dennoch war die Gründung des Blasorchesters zum ersten Mal Anlass, seinen Kindern ein Instrument zu lehren: Für die Tochter wählte er das Waldhorn und für den Sohn Rüdiger das Tenorhorn – welches er erst 40 Jahre später gegen das modernere Euphonium wegen des fantastischen Klangs ausgetauscht hat. Das Blasorchester wurde auf Wunsch der Aktiven in Musikverein Bobenheim umbenannt. Obwohl August Witz weiterhin in der BASF arbeitete, dirigierte er nicht nur das Bobenheimer Orchester, sondern war Mitbegründer der Neuleininger Blaskapelle. Nachdem er diese Tätigkeiten 1980 krankheitsbedingt beenden musste, übernahm Rüdiger Witz das Dirigat beider Orchester, obwohl er im Gegensatz zu seinem Vater keine Ausbildung dazu hatte. Aber dennoch, oder gerade deswegen, kam damit ein etwas frischerer Wind auf: Neuere, modernere Arrangements wurden ausprobiert und auch aufgeführt. Nach etwa zwei Jahren mit vielen Auftritten beider Orchester übergab Rüdiger Witz beide Dirigate an seine Nachfolger.
Rüdiger Witz begann nach seiner Ausbildung als Elektromechaniker in der BASF, da er in von seinem Ausbildungsbetrieb leider nicht übernommen werden konnte. Dort arbeitet er mit einer 2-jährigen Unterbrechung – eine Weiterbildung zum Techniker – bis zur Rente, die er mit 59 Jahren antreten durfte. In der Rente hat er sich nie gelangweilt. Neben der Musik im Orchester interessiert er sich für vielerlei Dinge: Er kümmert sich um das Haus, welches er in den 70er Jahren selbst gebaut hat, er betreut das Repair Café in Bad Dürkheim und Erpolzheim, gründet 2026 das Reparaturcafé in Bobenheim und begeistert sich unter anderem für 3D-Drucker, womit er eigene Entwürfe realisiert. Er war lange, fast 65 Jahre, verheiratet und durfte sich über zwei Töchter, Carmen und Gabriele, freuen, die beide Trompete spielten, seinen Enkel bezeichnet er stolz als „Lichtblick“.
Einen Schicksalsschlag erlebten seine Frau und er, als Tochter Carmen 2019 an einer nicht therapierbaren Krankheit verstarb. Dieses Jahr hätten er und seine Frau Diamantene Hochzeit gefeiert, leider war es ihnen nicht vergönnt, da sie letztes Jahr verstarb, nach dem er sie längere Zeit gepflegt hat.
Die Tatsache, dass im „Kreismusikverband Deutschen Weinstraße“ der Bobenheimer Musikverein der Verein mit den 4 Orchestern, einem Chor, einer angegliederten Musikschule und den meisten aktiven Mitgliedern ist, erfüllt Herr Witz bis heute sichtlich mit Stolz.