Das Interview führte Jochen Heringhaus
Herr Leist, schön, dass Sie sich die Zeit nehmen, um mit mir über sich, Ihr langes ehrenamtliches Wirken und den Musikverein zu sprechen.
Also los geht’s mit “Fünf Fragen an Dietmar Leist”:
Erstens: Sie sind langjähriges Mitglied im Musikverein Bobenheim am Berg, wie kam es dazu?
Dietmar Leist: “Es hat mit Herrn Rüdiger Witz begonnen, dem Sohn des Gründers, des Vereins, August Witz, Anfang bis Mitte der 70er Jahre. Der Verein war nicht mehr spielfähig, quasi am Ausbluten. Also hat Senior Witz einige von uns Jungs auf der Straße angesprochen; er habe im Keller noch ein paar Instrumente. Dann hat er uns einfach ein Instrument in die Hand gedrückt, und dann ging es los, damals noch im alten Dorfgemeinschaftshaus. Ich war zu der Zeit etwa 14 oder 15 Jahre alt. Mir wurde ein Tenorhorn in die Hand gedrückt. Zum Anfang wurden ein paar Tonleitern auf die Tafel gemalt und schon wurde gespielt. Drei meiner Brüder machten mit, von denen heute immer noch zwei im Verein spielen.
Herr Witz hat damals in Neuleiningen ein Orchester neu gegründet, und wir sind dann „mitgeschleift“ worden. Bereits nach drei bis vier Monaten spielten wir unseren ersten Auftritt mit einem kleinen “Märschlein”. So ging das los, und ab dann waren wir dabei.“
Zweitens: Sie erwähnten Ihre beiden immer noch bei den Bobenheimern spielenden Brüder (Hartmut am Euphonium und Arno an der Tuba).
Nun natürlich meine Frage an Sie als einen gestandenen, aber nicht mehr so ganz jungen Mann – obwohl Sie sind ja fünf jünger als ich – wie sieht es bei Ihnen heutzutage mit aktivem Musizieren aus?
Dietmar Leist: „Ich war so lange aktiv, bis ich nach zehn Jahren als Beigeordneter in Bobenheim das Amt als Bürgermeister im Jahr 2004 angetreten habe.
Ich war auch in anderen Gruppierungen engagiert, z.B. auch als Schriftführer beim Musikverband Deutsche Weinstraße, habe dann auch geheiratet (lacht) und schließlich kamen unsere Zwillinge zur Welt. Also lag der Fokus auf anderen Dingen, nicht mehr auf dem aktiven Musizieren (später übrigens mit der Trompete).
Ich nahm dann noch mal bei einer Fronleichnams-Prozession teil, die es leider auch nicht mehr gibt, Und dabei merkte ich, dass das Spielen ohne regelmäßige Proben auf lange Sicht nicht mehr klappt.“
Drittens: Um bei der Musik zu bleiben – Sie sind ja seit vielen Jahren hier treu im Verein an unterschiedlichen Stellen engagiert. Wie ordnen Sie den Bobenheimer Musikverein in der Gesamtheit aller Vereine entlang der Deutschen Weinstraße ein?
Dietmar Leist: „Ja, ich war im Verein Schriftführer, Kassenwart und Kassenprüfer.
Der Musikverein hat sich, seit ich dazugestoßen bin, angenehm entwickelt. Wir waren etwa 10 bis 12 Personen, die sich so “durchgeschlagen” haben und die Kooperation mit Neuleiningen suchten. Wir unterstützten uns gegenseitig und konnten auch was für die Kasse tun. Neuleiningen war damals der weitaus stärkere Verein, sie hatten sich damals ebenfalls gut entwickelt.
Als wir spielfähiger wurden, traten wir im Freinsheimer von-Busch-Hof auf und es kamen auch andere Musiker dazu, wie z. B. Carsten Klump, Jürgen Rings, Ulrich Mildenberger und Dirk Weber. Das waren junge Leute, die hab’ ich dann regelmäßig nach Deidesheim zu den Lehrgängen des Musikverbands Deutsche Weinstraße gefahren. Jürgen Rings wurde später sogar Dirigent beim Musikverband. Was uns allerdings einen großen Schritt nach vorne gebracht hat, war die Auflösung der Musikschule der Verbandsgemeinde Freinsheim und demzufolge die Gründung der Musikwerkstatt innerhalb des Bobenheimer Musikvereins unter der Leitung von Herbert Kröner. Noch heute ist die Musikwerkstatt ein wichtiger Impuls für den Verein.
Es ist schon erstaunlich, was hier in dem kleinen Bobenheim mit weniger als 1000 Einwohnern entstanden ist.
Der Bau des Vereinsheims war ein Meilenstein, der eigentlich nicht so geplant war.
Es sollte nur eine Doppelgarage werden, quasi als Nutzung für die Gemeindearbeiter. Dann wurde aufgestockt, weil es auch Fördergelder gab, heute würde sicher anders gebaut werden, aber damals war es eben so.
Es ging auch darum, den Bau schnell umzusetzen, damit etwaige Fördergelder auch abgerufen werden konnten. Und mir war es auch wichtig, dass für den Verein monetär was abfällt.
Der Musikverband hatte nicht damit gerechnet, wie sich Bobenheim entwickelt hat! Andere Vereine schauen auf uns, weil wir entsprechend angesehen sind.
Immerhin sind wir Bobenheimer gemeinsam mit der Kolpingskapelle Hambach die größten Vereine. Ich habe immer gesagt, dass es wichtig ist, dass die Leute im Verein “bei der Stange” bleiben.
Wie z. B. Herbert Kröner, der sich als ehemaliger Grafiker jahrelang um die hervorragende Außendarstellung des Vereins verdient gemacht hat.
So hat das alles im Laufe der Jahre an Fahrt aufgenommen, bis heute ist es für mich fast ein Wunder! Die vielen verschiedenen Generationen im Verein verbinden. Das hat sich auch bei der Jubiläumsveranstaltung gezeigt – es ist großartig, und natürlich auch dank dem unermüdlichen Engagement von Oda (Jung-Koppe, 1. Vorsitzende).”
Viertens: Sie sind (noch) Vorsitzender des Landes-Musikverbandes.
Sie haben angekündigt, dass Sie aussteigen werden und es wohl schon einen potentiellen Nachfolger gibt.
Dietmar Leist: “Ja, es gibt neue junge Leute und neue Ideen, so dass sich der Musikverband weiterentwickeln wird.“
Fünftens: Sie erwähnten im Gespräch diverse Ehrungen – in meinen Notizen steht, dass Sie in diesem Jahr die goldene Ehrennadel der Verbandsgemeinde Freinsheim bekommen haben.
Damit werden Menschen geehrt, die sich durch ihr außerordentliches ehrenamtliches Engagement über die Grenzen einzelner Ortsgemeinden verdient gemacht haben.
Letztes Jahr sind Sie geehrt worden als Ehrenbürger von Bobenheim am Berg u. a. “für außerordentliches Engagement und als Wadenbeißer, der nie locker gelassen hat”.
Dietmar Leist: „Ja, ich war da vielleicht manchmal ein bisschen…
Man muss ja aufpassen, dass man nicht übers Ziel hinausschießt.
Es war immer wichtig, dass wir das miteinander machten, wir haben einen schönen Festplatz in Bobenheim, da waren damals schon bis zu 1000 Menschen, auch in der Gründungsphase des Musikvereins. Damals haben sich die Musikvereine auch gegenseitig besucht.
In den 60er-Jahren kam z. B. auch ein Chor aus Mannheim-Sandhofen. Es war sommerlich warm, und wir wussten, wenn die Sandhofer kommen, müssen wir genug Getränke haben. Es gab Musikkapellen, die sich hier draußen aufgestellt haben und dann sind wir alle zum Festplatz gezogen. Für uns, als kleine Gemeinde, war das schon ein Spektakel – und als Gemeinde wollten wir auch gar nicht größer werden.“
Zu guter Letzt: Jetzt werden Sie den Vorsitz beim Musikverband beenden. Sie sind hier in Bobenheim als Bürgermeister ebenfalls “fertig”, allerdings im Beruf noch für wenige Jahre tätig. Wir alle fragen uns: „Was macht ein Dietmar Leist im Ruhestand?“
Dietmar Leist: „Ich war sowohl beruflich als auch im Ehrenamt stets viel unterwegs, da ist es gut, auch mal etwas Zeit zum Durchschnaufen zu haben.
Ich werde langsam weniger machen, so wie es noch geht. Auch hier im Dorf natürlich. Sicher muss ich nicht mehr in den Wald, um für die Dekoration beim Belzenickelmarkt die Bäume zu holen.
Ich habe trotz meiner zurückliegenden Erkrankungen Glück gehabt und werde nicht schlagartig aus der Öffentlichkeit verschwinden.
Ich strebe jetzt nicht direkt wieder irgendwelche Ämter an, aber man kann mich natürlich immer fragen: “Wir brauchen noch jemanden für den Ausschank, hast Du Zeit?“
Anmerkung: Wir haben ja bei BeatBoB jeden Donnerstag ab 19:00 Uhr unsere Probe und immer einen Stuhl frei, auch für Trompeter;)
Herr Leist, vielen Dank für das Gespräch.